Stefanie Posavec - Literary Organism

Stefanie Posavecs "Literary Organism" ist eine Visualisierung von Jack Kerouacs "On the road"

Im ersten Teil meiner kurzen Serie zur Datenvisualisierung ging es darum, das Thema grob zu umreißen und vorzustellen. Neben einigen Beispielen habe ich versucht einen kleinen Überblick über unterschiedliche Formen der Datenvisualisierung zu geben.

Diesmal geht es darum , warum sich die Mühe lohnt, Daten statt in einer Tabelle vielleicht in kreativeren Formen abzubilden. Dabei spielen insbesondere die Punkte „Aufmerksamkeit“ und „Interaktivität“ eine wichtige Rolle.

Aufmerksamkeit: Die neue Währung im Internet

Unkonventionelle, kreative und gekonnte Umsetzungen von Daten bringen direkt mehrere Vorteile. Der erste ist dabei ganz offensichtlich: Datenvisualisierungen – wie die Verwendung von Bildern allgemein – erhöhen die Aufmerksamkeit des Betrachters. Nichts ist ermüdender als tausende von Zeichensätzen in tabellarischer Form. Verpackt man diese Zahlen jedoch in einer Grafik, ist die Aufmerksamkeit schnell hergestellt. Gleiches gilt bereits seit Ewigkeiten wie selbstverständlich für Texte. Deshalb erfährt auch jeder angehende Journalist in der ersten Grundkurs-Stunde das „Bleiwüsten“ schlecht, die Verwendung von Bildern dagegen top ist.

Da Aufmerksamkeit nach gegenwärtigem Kanon die neue Währung im Internet (Link 1, 2) ist, sollte dieser Aspekt am wenigsten unterschätzt werden. Bei tausenden von Links, die einem durchschnittlichen Surfer bei der täglichen Tour durch das Netz unterkommen, darf sich freuen, wer den Leser an sich bindet – und sei es nur für mehr als das übliche kurze, mehrsekündige Anlesen eines ggf. interessanten Texts. Wer es schafft die Aufmerksamkeit des Anwenders zu erlangen, hat den ersten Schritt zum Leser getan.

Gekonnte Datenvisualisierungen im speziellen können erstaunen, begeistern, faszinieren und fesseln. Sie können dabei dem Betrachter je nach Thema jede Menge Spaß bringen, ihn unterhalten aber genauso einen ernsten Sachverhalt besser und einprägsamer transportieren als ein geschriebener Text. Durch Datenvisualisierunge im Internet kommt dabei einer Komponente besondere Bedeutung bei: Der Interaktivität

Während Infografiken und Schaubilder sowohl als Printprodukt als auch online alle genannten Vorteile bringen, und vornehmlich das Ziel verfolgen Sachverhalte/Informationen zu transportieren, wird dem Nutzer von aufwendigeren Visualisierungen wie Mashups durch die Interaktivitätskomponente ein Erlebnis gegeben – und somit Bindung erzeugt.

Interaktivität als Bindungsinstrument und Brückenbauer

Durch die Verbindung von Informationsgehalt mit Interaktivität wird dem Leser/User die Möglichkeit gegeben, sich individuell und direkt mit der Materie auseinanderzusetzen und gezielt Informationen zu vertiefen – und das im Idealfall von der Metaebene bis auf die niedrigste Stufe heruntergebrochen.

So kann bspw. ein Map-Mashup einen Überblick über alle in Deutschland existierenden Restaurants einer Kette zeigen. Ein Zoom in die Karte zeigt Standorte einer Region, weitere Zoomstufen tiefer zeigt ein Pop-Up die Details eines Restaurants inklusive Speisekarte, weiterführendem Link, Öffnungszeiten etc. Gleiches gilt für politische Themen, so wie die bereits im ersten Teil dieser Serie erwähnte Karte zu den Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Frankreich.

Interaktivität selbst kann aber auch die Brücke zur Herstellung einer Datenvisualisierung bedeuten, indem die Betrachter/Anweder zusammenarbeiten und der Grad der Interaktivität selbst als Visualisierung zurückgeführt wird. Das beweist die aktuelle Crisis Map Haiti des OpenStreetMap-Projekts bei der User aktiv mit eingebunden werden, das Kartenmaterial zu aktualisieren. Bei diesem Beispiel ergab sich zudem eine Rückführung der Interaktivität um erneut Daten zu visualisieren – nämlich eben jene (Inter-)aktivität der User selbst, wie das Beispiel „Interaktion mit OpenStreetMap in 2008“ zeigt oder auch eine Animation der Änderungen an der Karte von Haiti nach dem Beben.

Soweit zu den theoretischen Hintergründen, warum es sich lohnen kann Daten zu visualisieren. Im nächsten Teil wird es wieder eine Menge mehr Links zum Thema geben, insbesondere dazu, mit welchen Tools und Webservices man Daten visualisieren kann. Da ich fortlaufend über das Thema schreibe, empfehle ich außerdem einen Blick in die Artikel mit dem Tag “Datenvisualisierung”

Link zum Titelbild: Mehr zu Stefanie Posavecs Arbeit inkl. hochaufgelösten Bildern unter http://www.notcot.com/archives/2008/04/stefanie_posave.php