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Twitter per SMS in Deutschland: Nur über „long code“

twitter mobil by Pilar Soro@Flickr CC-BY-SA

Twitter per SMS in Deutschland: nur via long code | Foto: Pilar Soro@Flickr CC-BY-SA

In den letzten Wochen bekomme ich immer wieder Besucher auf meinem Blog, die danach suchen, wie man Twitter mobil in Deutschland nutzt ohne eine Datenflatrate zu besitzen – sprich per SMS. Die meisten Besucher landen dann auf diesem alten Blogpost aus 2009, da es bei Twitter bereits früher Probleme und Überraschungen in der Richtung gab. Da ich von dem Hickhack um SMS + Twitter indirekt auch betroffen war, habe ich mal genauer nachgeschaut.

Ausgangssituation: Twitter konnte in Deutschland per SMS genutzt werden. Dazu registrierte man sein Handy in seinem Profil, Handynummer angeben, kurz bestätigen, fertig. Damit war das Posten auf Twitter möglich, jedoch kein Empfang von Statusupdates. Das Posten von Statusupdates lief über eine Standard 0175 Nummer. Also alles ganz einfach, zu den üblichen Konditionen.

Überraschung! Licht aus!

Vor einigen Wochen, es muss so Ende September/Anfang Oktober gewesen sein, hat Twitter den Hahn zugedreht. Wie man es von einem Unternehmen, das eigentlich nur auf Grund von Kommunikation mit- und untereinander existiert, erwarten kann, tat man das – richtig – vollkommen ohne Vorwarnung, ohne Info an die Nutzer oder zumindest auf irgendeinem Blog, Serviceboard oder sonstwo. Schluss, Aus, Ende. Stecker gezogen. Bevor der User das merkte gingen als Folge dessen erstmal diverse SMS-Statusupdates ins Datennirwana und versandeten unpubliziert. Der User merkte nur, dass auf einmal nichts mehr in seiner Timeline passierte.

Will man heute sein Handy bei Twitter registrieren sieht man im Profil unter Settings eine Menge Länder. User u.a. aus Papua Neuguinea, Tonga und Madagaskar können ihre Mobiltelefone anmelden – in Deutschland geht das leider nicht.

Also, was ist da los? Zum Glück gibt es ja den Deutschen Support unter @hilfe, ein verifizierter Account, deshalb unterstelle ich mal Seriösität. Dort schrieb man am 13. Oktober:

TwitternSMSnichtmoeglich

Aha. Bitte was? Gedulden und super Attribute? Ok. Haben wir also Geduld, denn das deutsche Twitter-Support-Blog war ebenfalls tot oder schwieg sich zum Thema aus.

Noch am gleichen Tag gab es ein weiteres Update:

Twitter mobil nur via longcode

Na endlich, danke für die Info. Achso, wo war noch gleich die Nummer? Ein Link? Nein? Aber hauptsache es freut sich irgendjemand und ist aufgeregt. Toll!

Drei Seiten, zwei Nummern, neue Kosten

Die Suche ging also los und führte irgendwann in die Untiefen von wenig bis gar nicht strukturierten FAQs auf verschiedene (meist undatierte) Support-Seiten, wie zum Beispiel diese drei hier.

Mal auf deutsch, mal auf englisch steht dort in der Regel eine Liste von Ländern, die die 2-Wege Kommunikation unterstützen. Wenn das eigene Land nicht dabei ist (wie Deutschland auch), soll man bitte auf die post-only 1-Weg-Variante über die internationale Nummer ausweichen, der sogenannte „long code“. Und hier die schlechte Nachricht (auch wenn es dort anders steht):

„Good news !, if your country and carrier is not listed here you can use our UK based one-way long code to post messages to Twitter. Send your Tweets to : +447624800379. However, all subscribers using this code (even in the UK) may be charged international messages rates.“ (Quelle, Hervorhebung durch mich)

und hier mal ein anderes Beispiel:

„Leute, die die internationalen Kurz-Codes benutzen, sollten SMS senden und empfangen können. Leute, die unsere internationale Nummer (+44 762 4801423) benutzen, können Twitter SMS-Nachrichten senden, aber nicht empfangen.“ (Quelle, Hervorhebung durch mich)

Und was fällt uns auf? Bei Twitter weiß man scheinbar selbst nicht an welche Nummer man was schicken soll, denn schließlich gibt es zwei. Und die gute/schlechte Nachricht lautet: Das ist natürlich keine heimische Nummer mehr (wie sie es mal war), sondern eine internationale für die Auslandstarife anfallen (können). Ob das im eigenen Fall zutrifft und wie hoch die Raten dann sind sollte jeder für sich selbst klären.

Fazit

Ich habe es darauf hin nicht mehr probiert Twitter per SMS zu nutzen, geschweige denn es anderen Personen zu empfehlen. Bei einer nicht existenten Kommunikationsstrategie, einem Nummernwirrwarr das dazu auch noch gut versteckt ist und einer insgesamt so großen Sammlung von Usability-Hürden vergeht einem irgendwann die Lust.

Twitter via SMS, das mag erstmal sehr nach Mittelalter und Web 1.0 klingen, aber es soll tatsächlich jenseits von Nerdistan noch jede Menge Personen ohne mobilen Datentarif und intelligentes Endgerät geben. Im Gegenteil, es gibt kaum mir bekannte Personen, die kein Handy besitzen, bzw eines ohne die Fähigkeit SMS zu verschicken. Warum also sollte man annehmen, dass diese Gruppe nicht bei Twitter mitspielen will? Achso, ich vergaß, dass können Sie ja – irgendwie.

Falls jemand Erfahrungen mit dem „long code“ gemacht haben sollte, freue ich mich auf einen Kommentar.

Bildnachweis: twitter mobil by pilar soro@Flickr CC-BY-SA 2.0

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  1. Frank Gate

    Tja, plötzlich abgeschaltet und ohne Begründung!? Will jemand vielleicht verhindern, dass Wahlergebnisse vorab per Twitter veröffentlicht werden? Siehe Wahl des Bundespräsidenten!

  2. Isabel

    Ich finde es auch unpraktisch Twitter per sms zu nutzen, wenn es wahrscheinlich günstiger ist, einfach den Tweet über den Handybrowser zu senden.

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